zurück Der Trauerschweber (Anthrax anthrax) Bücher
Trauerschweber Anthrax anthrax

Puppenhülle des Trauerschwebers Anthrax anthraxAnfang Juni sitze ich vor meiner Insektenbude und schaue dem regen Treiben zu. Dabei fällt mir eine ziemlich große schwarze Fliege auf. Was will die hier, dachte ich. Die lungert doch hier nur herum. Ab und zu guckt sie mal in ein Loch hinein, fliegt dann aber wieder zu einem anderen Loch, so als wüßte sie nichts mit ihrer Zeit anzufangen oder als hätte sie Langeweile. Und dann sitzt sie plötzlich vor einem Loch und macht komische schaukelnde Bewegungen. Das sah so aus, als ob sie sich schubbert oder scheuert. Ich habe einige Zeit im Internet gesurft, gegoogelt und yahoot. Daß es eine Fliege war, war mir bald klar. Daß es eine Parasit sein könnte, ahnte ich bereits. Und dann fand ich sie. Der Trauerschweber mit dem giftigen Namen Anthrax anthrax, ein ziemlich ausgewichster Bursche, der immer wieder prüft, ob eine Zelle fertig bestückt ist, um dann das eigene Ei hineinzulegen. Ein Parasit also. Und weil dieser Bursche mit seinen breiten nicht zusammenfaltbaren Flügeln nicht in die Niströhre paßt, hat er sich einen Trick ausgedacht. Er oder richtig sie schmeißt ihr Ei einfach in die Röhre. Das waren also die komischen schaukelnden Bewegungen mit dem Hinterteil vor der Röhre. Dazu pudert sie vorher das Ei ein. Ich sah sie hin und wieder auf weißem Bohrmehl sitzen, welches vom Bohren der Löcher im Porenbeton vor der Insektenbude lag. Der Porenbeton war allerdings ein untaulicher Versuch. Bisher hat kein Insekt diese Löcher angenommen. Das einzige Insekt, das davon profitiert hat, ist offensichtlich nur dieser Trauerschweber, der seine Eier damit einpudert. Warum er (oder doch wieder sie) das macht, ist unklar. Auf einigen Seiten im Internet wird vermutet, daß es dem UV-Schutz der Eier dient. Oder es ist eine Tarnung, damit die Eier nicht vom rechtmäßigen Besitzer der Röhre entdeckt werden sollen. Ich habe eine andere Vermutung. Falls das Ei nach dem Legen noch feucht oder klebrig ist, würde es schon am Eingang der Röhre festhängen. Ist es gepudert, rollt es vielleicht besser, etwa wie auf Kugellagern und klebt nicht mehr. Jedenfalls bleibt es nicht schon vorn hängen. Es ist schon erstaunlich, was sich die Natur hat einfallen lassen. Ein kreisrundes Loch meistens mittig im Zellverschluß deutet darauf hin, daß in dieser Brutzelle ein Trauerschweber geschlüpft ist. Eine Zeit lang liegt dann noch die Hülle direkt am Ausgang.

Puppenhüllen mit einem Bohrkopf

Und jetzt kann ich auch diese komischen Puppenhüllen zuordnen. Sie waren bislang ein Rätsel für mich, das nun gelöst ist. Darin steckte der Anthrax anthrax-Nachwuchs, der sich mit den Häkchen, die wie ein halber Reißverschluß aussehen, bis zum Ausgang vorschiebt und sich dann mit dem "Bohrkopf" durch den Zellenverschluß bis an die frische Luft vorarbeitet und erst dann die Puppenhülle verläßt.
Das ist für diesen Parasit überlebenswichtig, denn als Fliege käme er nicht durch die Mauer aus der Röhre.

Ist das der biologische Vorläufer der Tunnelbohrmaschine? grinsen

 

Puppenhülle des Trauerschwebers Anthrax anthrax

Puppenhülle des Trauerschwebers Anthrax anthrax

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Bei arthropods.de gibt es ausführliche Beschreibungen des Trauerschwebers:

Der Wirt Auf der Suche Eiablage Junge Puppe
Reife Puppe Puppenhülle Ein weiterer Wirt Kammerbelegung Ein Parasitoid
www.psychiaterbuch.de